Mitgliederzuwachs, sportliche Erfolge, finanzielle Engpässe aber auch moderne Mitgliederverwaltung

Liebe LTVerinnen und LTVer,
zu Jahresbeginn habe ich mit einem Beitrag für die LTV-Homepage unter der Überschrift „Der LTV gibt sich ein neues Gesicht“ , der auch auszugsweise im Iserlohner Kreisanzeiger veröffentlicht wurde, auf die ersten Schritte zu einem Sportverein moderner Prägung im Jahr 1971 zurückgeblickt. Zum Schluss meiner Ausführungen gab es einen kleinen Ausblick auf die Zukunft . Wie hat sich das Vereinsleben in den Jahren ab 1980 weiterentwickelt?
Davon soll hier auf der Grundlage der Festschrift „125 Jahre Letmather TV“ aus dem Jahr 2002 in einem Streifzug näher eingegangen werden.
Gekennzeichnet durch die Erweiterung der sportlichen Angebote wächst die Mitgliederzahl des LTV kontinuierlich an und erreicht im Jahr 1990 kurzzeitig die magische Zahl von 2000. Wie war das zu erklären?
Ich beginne mit der Entwicklung der ältesten und zahlenmäßig größten Abteilung, demTurnen. Aerobic lautet das Zauberwort. Der LTV nimmt diese neue Bewegungsform in sein Sportprogramm auf und erlebt Anfang 1983 einen nicht erwarteten Ansturm. Mehr als 200 Frauen und Mädchen stürmen in gleich vier neu eingerichtete Kurse und bringen die ehrwürdige Turnhalle an der Realschule zum Beben. Da ist sehr schnelles Handeln unerlässlich.
Nahezu zeitgleich erlebt die Mutter/Kind Gruppe einen rasanten Zulauf. Vorstand und Abteilungsleitung richten kurzfristig eine zweite Übungsgruppe ein.
Auch der Leistungssport zieht an. Der Bereich Geräteturnen macht sich über Bezirks- und Gauliga in die westfälische Spitze auf und auch im Rhönrad mischt der LTV zusehends auf höherer Ebene mit.
Für die Handballer sind die achtziger Jahre zweifelsfrei ein goldenes Jahrzehnt. Wird der Verbandsligaaufstieg der „Ersten“ im April 1981 schon als der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte gefeiert, setzt das Team um Trainer Gerd Forth im Jahr darauf noch einen drauf und steigt in die Oberliga auf. „Traumziel erreicht“ heißt das damals.
Nicht zu vergessen der Auftritt der Handballer im Pokalwettbewerb. Die Begeisterung der Fangemeinde, die mit eigens gecharterten Bussen zu den Auswärtsspielen anreist, ist überwältigend.
Um dem Handballsport im LTV noch mehr öffentliches Interesse zu verschaffen, wird kurz darauf erstmals der „Handball-Report“ geschrieben. Vier bis sechs Seiten Text und Bild zu jedem Heimspiel und als Beilage zu den „Letmather Nachrichten“ sind ein Garant für dauerhaftes Interesse am Handball.
Auch die Leichtathletik-Abteilung setzt Akzente. Die bereits Ende der Siebziger Jahre begründete Partnerschaft mit dem niederländischen Verein CIKO 66 Arnheim wird mit einem jährlich ausgetragenen Vergleichskampf fortgesetzt. Es kommt zu zahlreichen Freundschaften.
Auch organisatorisch geht es aufwärts. Man tritt als Ausrichter für Kreis-Leichtathletik-Tag, dem Entscheidungsgremium der Kreisvereine auf.
Einem breiten Publikum zeigen sich die Leichtathleten beim 1. Letmather City-Lauf, der Ausdauersportler aus ganz NRW am 03.09.1988 zu einem 10 km Hauptlauf und einem 5 km Jedermannlauf durch die Innenstadt führt.
Nur wenige Wochen zuvor feiert man den bis dahin größten sportlichen Erfolg. Tanja Schnabel wird in Ludwigshafen Deutsche Meisterin über 300 m der B-Jugend. Der couragierte Auftritt der blonden Letmatherin wird vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) mit einer Berufung in die Nationalmannschaft bei den Junioren-Europameisterschaften im jugoslawischen Varazdin (heute Kroatien) in der 4 x 400 m Staffel belohnt.
Doch es gibt auch Ärger. Unstimmigkeiten in der Trainerschaft und mit dem Geschäftsführenden Vorstand führen 1990 zur Bildung einer Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) mit dem TuS Iserlohn.

Die 1974 gegründete Abteilung Taekwon Do kann schon drei Jahre darauf mit Dorothea Kapkowski eine Deutsche Meisterin (Klasse bis 63 kg) präsentieren. Der Zulauf zu dieser Sport wird aber 1980 durch Abspaltung einer in Iserlohn betreuten LTV-Gruppe gebremst.
Gleichwohl gelingt es der Abteilungsführung im März 1983 die Landesmeisterschaften in die Humpferthalle zu holen. Über die zweitägige Veranstaltung berichtet ein Fernsehteam des WDR tags darauf in der „Aktuellen Stunde“. Im Jahr darauf ist der LTV erneut Ausrichter dieser Titelkämpfe.

1974 ist das Gründungsjahr der Volleyball-Abteilung; zunächst als reines Damenteam. Beginnend mit einer Hobbymannschaft schreitet die Entwicklung schnell voran. In der Spitze spielen in den 1980ern vier Damenteams und bis zu sechs Jugendmannschaften bis hin zur Landesliga um Punkte. Hinzu kommt Beachvolleyball, kräfteraubend im Sand, aber höchst attraktiv.

Neben der wiederholten Teilnahme am großen Turnier in Boxmeer gibt es im Frühjahr 1990 – ich greifen hier ein wenig vor – ein besonderes Highlight. Es kommt zum ersten deutsch-deutschen Volleyballturnier mit einer Mannschaft aus Großjena. Die Gäste erwartet ein dreitägiges Rahmenprogramm.
Als sechste Abteilung geht zum Jahreswechsel 1983/1984 Badmintonin den Sportbetrieb. Erster Abteilungsleiter ist Udo Gutzeit. Ihm folgt einige Jahre später Jens Rodermund an die Spitze – bis heute- und inzwischen auch 2. Vorsitzender des Gesamtvereins. Mehrere Mannschaften, darunter auch jugendliche Teams, ergänzt durch eine Hobbytruppe nehmen mit dem Schläger die Jagd um Punkte auf. Aufstiege in höhere Klassen stellen sich alsbald ein. Alljährlich werden interne Vereinsmeisterschaften durchgeführt. Das Wort Badminton ist den Spielerinnen und Spielern heilig; Federball gilt als abwertend und ist im Sportbetrieb verpönt.

Ein weiteres Projekt ist allerdings zum Scheitern verurteilt. Auf vielfach geäußerten Wunsch nach Aufnahme des Tanzsportsin den LTV treffen sich am 01.07.1986 mehr als achtzig Interessenten zum 1. Training unter Anleitung der Tanzlehrerehepaare Breuer und Menzel. Nach anfänglicher Euphorie wird das Ende letztendlich auf Druck des Deutschen Tanzlehrer-Verbandes (DTLV) herbeigeführt. Die beiden Ehepaare müssen ihre Tätigkeit für den LTV einstellen.

Der Geschäftsführende Vorstand steht angesichts der beschriebenen Entwicklung in den Abteilungen vor großen Herausforderungen. Die sportlichen Erfolge sind nicht zum Nulltarif zu haben. Über die Verteilung der satzungsgemäß an den Gesamtverein zu zahlenden Mitgliedsbeiträge entzündet sich erstmals im Jahr 1980 Streit. Kostenintensive Abteilungen wie Handball fordern einen höheren Anteil am „Kuchen“ zu Lasten vorwiegend der weniger wettkampfintensiven Turnabteilung. Im Vorfeld der Mitgliederversammlung wird um jede Mark gerungen. Der Konflikt soll unbedingt aus der Jahreshauptversammlung herausgehalten werden um den Haushaltsplan geräuschlos über die Bühne zu bringen.

Diese Situation ist auschlaggebend für die von der Vereinsführung im Jahr 1982 erstmals installierte „Finanzkonferenz“. Die Diskussion wird in diesem Gremium versachlicht und rückt die Abteilungen wieder organisatorisch und finanziell zusammen.
Nahezu parallel wird die Mitgliederverwaltung auf den neuesten Stand gebracht. Ausgehend von den völlig veralteten Beitragsbüchern werden die Daten zunächst aktualisiert, dann auf Karteikarten übertragen und schließlich mit der Sparkasse Iserlohn zum 01.01.1983 EDV-mäßig verarbeitet. Ein Quantensprung, der über die verschiedenen Selektionsmöglichkeiten Vorstand und Abteilungen jederzeit Zugriffsmöglichkeiten auf die Daten eröffnet.

Dritte Säule in der Reform der Verwaltung ist nach Finanzkonferenz und Umstellung auf EDV die Einführung einer jährlichen Klausurtagung, im Vereinsjargon in der Folgezeit als „Jahresaussprache“, bezeichnet. Viele Fragen aus den Abteilungen und Probleme der Zusammenarbeit bei Gemeinschaftsveranstaltungen können nicht mehr hinreichend bei Sitzungen im Vereinslokal erörtert werden. Der Vorstand lädt deshalb zu einer ganztägigen Runde im privaten Kreis ein. Terminlich bietet sich die „stille Woche“ im November (Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Totensonntag) an, da der Sportbetrieb weitestgehend ruht bzw. einschränkt ist. Premiere ist am 07.11.1987. Eine detaillierte Tagesordnung, die auch Raum für Einzelgespräche eröffnet und für einem mittäglichen Snack unterbrochen wird, kommt bei allen Beteiligten bestens an. Eine jährliche Wiederholung ist beschlossene Sache.

Zum Schluss dieser Ausführungen dürfen zwei Ereignisse nicht unerwähnt bleiben. Der Letmather TV ist erneut Tagesgespräch.
Am 17.01.1987 wird der Verein im Schloss Lemgo mit der Sportplakette des Bundespräsidenten geehrt. Dazu reist der erweiterte Vorstand unter Mitnahme der Gründungsfahne nach Ostwestfalen. NRW-Kultusminister Hans Schwier nimmt die Auszeichnung vor.
111 Jahre LTV sind Anlass für eine große Ausstellung über die wechselvolle Vereinsgeschichte in den Geschäftsräumen der Sparkasse in Letmathe. Der Vorstand des Geldinstituts und die Spitzen der Stadt Iserlohn sind bei der Eröffnung am 26.09.1988 von den Exponaten beeindruckt
Nur wenige Tage später, am 01.10.1988, findet im ausverkauften Städtischen Saalbau ein Festball statt der die Besucher allesamt begeistert. Bürgermeister Fritz Fischer bescheinigt dem LTV zum „111jährigen“ Zitat: „Das Erscheinungsbild Ihres Vereins ist jung und knackig“.
Damit endet meine Zeitreise durch den LTV in die achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Viele ältere Mitglieder werden sich gerne an die vielfältigen Erlebnisse in dieser Zeit erinnern und die Jüngeren, die hoffentlich interesssante Eindrücke mitnehmen, erhalten einen – wenn auch nur bescheidenen – Einblick unter der Überschrift
„so war das damals im LTV“

Danke für die Geduld beim Lesen
Wolfgang Rath